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title: "Köln feiert den Hansaring – und vergisst Chorweiler"
url: https://www.bachhausen.de/koeln-feiert-den-hansaring-und-vergisst-chorweiler/
date: 2026-08-05
modified: 2026-08-05
author: "Dirk Bachhausen"
description: "Der Großputz am Hansaring ist ein Erfolg. Doch wer mit der Bahn nach Chorweiler fährt, erlebt ein anderes Köln: eine Stadt, die beim Militärring offenbar aufhört. Man gönnt der Stadt..."
categories:
  - "Köln"
  - "Meinung"
  - "Stadtbezirk Chorweiler"
tags:
  - "chorweiler"
  - "feiert"
  - "hansaring"
  - "vergisst"
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# Köln feiert den Hansaring – und vergisst Chorweiler

**Der Großputz am Hansaring ist ein Erfolg. Doch wer mit der Bahn nach Chorweiler fährt, erlebt ein anderes Köln: eine Stadt, die beim Militärring offenbar aufhört.**

Man gönnt der Stadt Köln diesen PR-Moment. Am Montag haben sich Oberbürgermeister Torsten Burmester und Vertreter von KVB, AWB und Deutscher Bahn feierlich selbst an Spachtel und Reinigungsmittel begeben und die Haltestelle Hansaring vom Schmutz der Jahre befreit. Fahrradleichen wurden entsorgt, Kaugummis abgesprengt, Graffiti entfernt, Lampen getauscht, gläserne Aufbauten neu lackiert. Das ist gut so – und es war bitter nötig.

Doch während am Hansaring geputzt wurde, fragt man sich unwillkürlich: "Warum gerade hier?"
> Eine Station, zwei Welten
Fahren Sie einmal mit der S11 oder der Linie 15 bis zur Endhaltestelle Chorweiler. Was Sie dort erwartet, ist eine Station in einem Zustand, der für eine Millionenstadt schlicht beschämend ist. Dreck und Uringeruch in den Unterführungen, abgestellte Fahrradleichen, undichte Dächer, defekte Fahrgastanzeigen, Aufzüge, die immer wieder außer Betrieb sind, und Menschen, die im Untergrund Zuflucht suchen, weil sie nirgendwo anders hinkönnen.

Dabei wäre Chorweiler das Paradebeispiel für eine solche Aktion. Die Haltestelle ist – genau wie der Hansaring – eine gemeinsame Tunnelstation von S-Bahn und Kölner Stadtbahn, mit S-Bahn-Teil der Deutschen Bahn, Stadtbahnebene der KVB und Flächen der Stadt. Eine Konstellation, die man auch anders lesen kann: als perfekte Ausrede für jahrelanges Nichtstun. Denn wo drei Eigentümer verantwortlich sind, fühlt sich am Ende niemand verantwortlich. Die Zuständigkeiten werden seit Jahren hin- und hergeschoben, während die Station verfällt.
> Das Köln hinter dem Militärring
Der Hansaring liegt im Herzen der Stadt, auf dem Weg von Medienhäusern, Behörden und Politikern in die Innenstadt. Chorweiler liegt außerhalb des Militärrings – und genau darin liegt das eigentliche Problem. Für weite Teile der städtischen Aufmerksamkeit scheint Köln dort aufzuhören, wo die Ringbahn endet. Rund 90.000 Menschen leben im Kölner Norden; sie sind auf genau diese Haltestelle angewiesen, sie zahlen dieselben Fahrpreise und dieselben Steuern. Aber der Großputz mit OB, Kameras und Pressemitteilung findet im Zentrum statt.

Dass die Bahn ankündigt, die Reinigung am Hansaring dauerhaft zu verstärken, und die KVB betont, die Aktion dürfe kein Einmalprojekt bleiben – alles richtig. Doch der nächste Termin ist bereits vergeben: Noch in diesem Jahr soll der Bahnhof Ehrenfeld gereinigt werden. Wieder ein Standort, der fest im Bewusstsein der Stadt verankert ist. Chorweiler kommt in den Ankündigungen nicht vor.
> Was jetzt geschehen muss
Fairerweise muss man sagen: Ganz untätig war die KVB im Norden nicht. Erst 2025 hat sie Gleise und Oberleitung zwischen Longerich und Chorweiler erneuert – ein Beweis dafür, dass es geht, wenn gewollt ist. Aber ein neues Gleis an einer verdreckten Station macht die Station nicht besser.

Deshalb drei konkrete Forderungen:

- **Chorweiler als nächste Station nach Ehrenfeld fest einplanen** – mit derselben gemeinsamen Aktion von Stadt, AWB, KVB und Deutscher Bahn, mit Termin und Verantwortlichkeiten schriftlich festgelegt.
- **Die Zuständigkeitsfrage endlich klären.** Wer welche Ebene, welche Aufzüge, welche Dächer in Stand hält, muss eindeutig geregelt und öffentlich gemacht werden – das Hin- und Herschieben muss enden.
- **Den strukturellen Blick nicht vergessen: **Sozialarbeit und Wohnungslosenhilfe gehören dazu, denn eine Station, die Notquartier ist, zeigt ein Versagen, das kein Spezialgerät wegspült.

**Fazit**

Oberbürgermeister Burmester sagte am Hansaring, saubere Haltestellen seien wichtig dafür, ob sich Menschen sicher und willkommen fühlten. Er hat recht. Genau deshalb muss die Frage lauten: **Gilt dieser Anspruch nur für das Köln innerhalb des Militärrings?** Wenn die Stadt Chorweiler weiter so behandelt, wie sie es tut, lautet die Antwort leider ja – und das ist für eine Stadt, die von sich selbst als weltoffen und solidarisch spricht, keine Kleinigkeit, sondern ein Armutszeugnis.

##### Köln endet nicht am Militärring. Es wird Zeit, dass die Stadtspitze das auch handelnd beweist.