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Was NRW aus den Waldbränden lernen muss!

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Der Sommer 2026 hat Nordrhein-Westfalen verändert. Hitze und anhaltende Trockenheit haben die Waldbrandgefahr unmittelbar vor unserer Haustür sichtbar gemacht. In der Eifel und im Sauerland kämpften Einsatzkräfte tagelang gegen die Flammen. Menschen mussten um ihre Häuser und ganze Ortschaften bangen.

Im Hürtgenwald wurden nach Angaben des Landes zwischen 300 und 400 Hektar Wald zerstört oder geschädigt. Es war der größte Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten. Zeitweise waren bis zu 1.800 Menschen aus Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Polizei, Bundeswehr sowie Land- und Forstwirtschaft im Einsatz. Beim Brand in Sundern-Stemel waren rund acht Hektar Wald betroffen; in der Spitze bekämpften etwa 250 Einsatzkräfte das Feuer in steilem und schwer zugänglichem Gelände.

Dass noch größere Schäden verhindert werden konnten, ist ihrem mutigen und professionellen Einsatz zu verdanken.

„Ich habe Hochachtung vor den vielen Einsatzkräften!”, erklärt Dirk Bachhausen, Volt-Landtagskandidat für Köln-Chorweiler. „Dieser Einsatz hat erneut gezeigt, wie unverzichtbar unsere Feuerwehren und Hilfsorganisationen sind. Dank allein reicht jedoch nicht. Das Land muss dafür sorgen, dass die Einsatzkräfte die Ausrüstung, Ausbildung und Unterstützung erhalten, die sie für solche Lagen benötigen.“

Waldbrände sind längst kein fernes Problem mehr

Waldbrände hat es in Deutschland schon immer gegeben. Doch Hitzeperioden, trockene Böden und längere niederschlagsarme Phasen schaffen Bedingungen, unter denen sich Feuer schneller ausbreiten und schwieriger bekämpfen lassen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden 2025 bundesweit 1.175 Waldbrände registriert. Dabei verbrannten 2.626 Hektar Wald – etwa dreimal so viel wie im langjährigen Mittel der Jahre 1991 bis 2024. Nordrhein-Westfalen gehörte gemeinsam mit Brandenburg und Niedersachsen zu den Bundesländern mit den meisten registrierten Bränden.

Dabei ist eine sachliche Unterscheidung wichtig: Die meisten Waldbrände werden, soweit ihre Ursache ermittelt werden kann, durch menschliches Handeln ausgelöst. Hitze, Trockenheit, Wind, ausgetrocknete Vegetation und die Struktur des Waldes entscheiden jedoch wesentlich darüber, wie leicht ein Feuer entsteht, wie schnell es sich ausbreitet und wie schwer es zu löschen ist. Risikountersuchungen gehen deshalb für die kommenden Jahrzehnte von einer steigenden Waldbrandgefahr in Deutschland aus.

„Die Frage ist nicht, ob die nächste Naturkatastrophe kommt, sondern wann sie kommt und wie gut wir darauf vorbereitet sind“, sagt Bachhausen. „Wenn sich unser Klima verändert, muss sich auch Nordrhein-Westfalen verändern.“

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Katastrophenschutz vorausschauend stärken

Die Erfahrungen aus Hürtgenwald, Sundern und Möhnesee müssen systematisch ausgewertet werden. Dabei darf es nicht bei Ankündigungen bleiben. Nordrhein-Westfalen braucht verbindliche Konsequenzen für den Brand- und Katastrophenschutz.

Dazu gehören mehr geländegängige Löschfahrzeuge, Drohnen und Wärmebildkameras, mobile Wasserbehälter, leistungsfähige Pumpen sowie Material für lange Löschwasserleitungen. Die Beschaffung darf nicht allein von der Finanzkraft einzelner Kommunen abhängen. Spezialtechnik muss landesweit so verteilt und organisiert werden, dass sie bei Großbränden innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung steht.

Ebenso wichtig sind verlässliche digitale Einsatzkarten, bekannte Zufahrtswege, ausreichend dimensionierte Löschwasserstellen und eine sichere Kommunikation zwischen Feuerwehren, Forstverwaltung, Polizei, Hilfsorganisationen und weiteren Beteiligten. Gemeinsame Übungen müssen regelmäßig stattfinden – auch über Kreis-, Landes- und Staatsgrenzen hinweg.

„Im Ernstfall darf wertvolle Zeit nicht durch unklare Zuständigkeiten, inkompatible Systeme oder bürokratische Hürden verloren gehen“, fordert Bachhausen. „Wir brauchen ein gemeinsames Lagebild, klare Führungsstrukturen und vorbereitete Verfahren für die schnelle gegenseitige Unterstützung.“

Das Land muss außerdem das Ehrenamt dauerhaft stärken. Dazu gehören bessere Möglichkeiten zur Freistellung, ausreichende psychosoziale Betreuung nach belastenden Einsätzen, moderne Schutzausrüstung und eine verlässliche Finanzierung von Aus- und Fortbildungen.

Vorbeugen, bevor es brennt

Guter Katastrophenschutz beginnt lange vor dem ersten Funken. Waldwege und Zufahrten müssen auch für schwere Einsatzfahrzeuge nutzbar sein. Löschteiche, Zisternen und andere Wasserentnahmestellen müssen dort geschaffen werden, wo eine Versorgung über das normale Leitungsnetz nicht ausreicht. Besonders gefährdete Waldflächen und Siedlungen am Waldrand benötigen individuelle Schutzkonzepte.

Frühwarnsysteme können dabei helfen, Brände schneller zu entdecken. Das seit 2024 am Niederrhein eingesetzte kamerabasierte Fire-Watch-System zeigt, welche Möglichkeiten moderne Technik bietet. Solche Systeme sollten nach einer fachlichen Auswertung auf weitere gefährdete Regionen ausgeweitet und mit den Leitstellen verknüpft werden.

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe empfiehlt darüber hinaus einheitliche Waldbrandeinsatzkarten, eine bessere Löschwasserversorgung, geeignete Waldbrandriegel sowie den Einsatz von Drohnen und Wärmebildtechnik bei den oft langwierigen Nachlöscharbeiten.

Resiliente Wälder statt anfälliger Monokulturen

Langfristig entscheidet auch die Beschaffenheit unserer Wälder darüber, wie widerstandsfähig sie gegenüber Dürre, Stürmen, Schädlingen und Feuer sind. Besonders lichte Nadelholzbestände mit dichter, trockener Bodenvegetation gelten als brandgefährdet. Mehrschichtige Mischwälder mit einem hohen Anteil standortgeeigneter Laubbäume können die Ausbreitung von Bränden erschweren und das Risiko großflächiger Schäden verringern.

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Bachhausen fordert deshalb, den Waldumbau deutlich zu beschleunigen. Benötigt werden artenreiche und strukturierte Wälder mit verschiedenen Baumarten und Altersstufen, gesunden Böden und einer verbesserten Wasserspeicherung. Naturverjüngung und gezielte Pflanzungen müssen dabei sinnvoll miteinander verbunden werden. Entwässerte Wald- und Moorstandorte sollten, wo fachlich möglich, wiedervernässt werden.

An besonders gefährdeten Stellen können gepflegte Waldbrandriegel, laubholzreiche Schutzstreifen und freigehaltene Einsatzwege notwendig sein. Der Umgang mit Totholz muss dabei differenziert erfolgen: Es ist für Artenvielfalt und Waldökologie unverzichtbar, kann in besonders gefährdeten Bereichen entlang wichtiger Einsatzwege oder Schutzstreifen aber zur zusätzlichen Brandlast werden. Brandschutz und Naturschutz müssen deshalb gemeinsam geplant werden.

Private und kommunale Waldbesitzende benötigen hierfür langfristige, leicht zugängliche Förderprogramme und eine gute forstfachliche Beratung. Waldumbau ist eine Aufgabe für Jahrzehnte und darf nicht von kurzfristigen Haushaltsentscheidungen abhängig sein.

Klimaanpassung und Klimaschutz gehören zusammen

Bessere Ausrüstung und resilientere Wälder helfen uns, mit den Folgen der Klimakrise umzugehen. Sie ersetzen aber keinen konsequenten Klimaschutz.

„Wir müssen uns an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels anpassen. Gleichzeitig müssen wir alles daransetzen, seine weitere Verschärfung zu begrenzen“, betont Bachhausen. „Wer nur über neue Löschfahrzeuge spricht, aber beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei klimafreundlicher Mobilität, bei der Gebäudesanierung und beim Schutz natürlicher Kohlenstoffspeicher zögert, behandelt lediglich die Symptome.“

Nordrhein-Westfalen muss Klimaschutz als zentrale Modernisierungsaufgabe begreifen: mit schnelleren Genehmigungen für erneuerbare Energien, einer klimaneutralen Industrie, attraktiven Alternativen zum Auto und einem verbindlichen Schutz von Wäldern, Mooren und anderen natürlichen Lebensräumen.

Die Brände dieses Sommers waren eine Warnung. Nun kommt es darauf an, die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

„Wir schulden den Einsatzkräften mehr als Dank und Anerkennung“, sagt Bachhausen. „Wir schulden ihnen eine Politik, die vorsorgt. Und wir schulden den kommenden Generationen ein Nordrhein-Westfalen, das die Klimakrise entschlossen bekämpft und seine Wälder widerstandsfähig für die Zukunft macht.“

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