Ich wurde in letzter Zeit oft gefragt, warum ich jetzt bei Volt bin.
Manchmal muss man loslassen, um sich selbst treu zu bleiben.
Nach langer und intensiver Auseinandersetzung mit mir selbst habe ich vor wenigen Monaten die Entscheidung getroffen: Ich werde mein Parteibuch zurückgeben.
Dieser Schritt fiel mir nach über 30 Jahren SPD nicht leicht. Seit vielen Jahren hatte ich durchgehend ein Parteibuch. Politik ist ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich habe Verantwortung übernommen, für Überzeugungen gekämpft, diskutiert, gestritten und versucht, Dinge zu bewegen.
Besonders mein Engagement für Vereine ist dabei zu einem festen Teil meines Lebens geworden. Ich habe Missstände benannt, Menschen zugehört, darüber geschrieben und praktisch geholfen.
Was mich dabei immer angetrieben hat, war nie ein Parteiprogramm allein. Es waren Werte.
Ehrlichkeit. Verantwortung. Menschenwürde. Gerechtigkeit. Realismus. Und die Freiheit, Dinge auch dann auszusprechen, wenn sie unbequem sind.
Ich möchte nicht in politischen Schubladen denken. Ich möchte nicht nachreden, was von einer Parteiführung vorgegeben wird, wie es bei der unsinnigen Köln Olympiabewerbung vorgegeben war. Und ich möchte meine Meinung nicht danach ausrichten, wer gerade politisch auf der „richtigen“ Seite steht.
Ein Satz eines CDU-Mann ist mir deshalb bis heute im Gedächtnis geblieben. Nach einem langen Gespräch mit mir, sagte er:
„Wenn ich nicht wüsste, dass Sie Mitglied der SPD sind, hätte ich es wahrscheinlich nie vermutet. Sie argumentieren sehr realpolitisch, ehrlich und völlig unverstellt und wirken dabei erstaunlich überparteilich.“
Damals habe ich diesem Satz vielleicht nicht die Bedeutung beigemessen, die ich ihm heute gebe.
Denn genau diese Haltung möchte ich mir bewahren.
Ich möchte Probleme nicht kleinreden, nur weil sie aus den eigenen Reihen kommen. Ich möchte gute Ideen anerkennen, egal von welcher Partei sie kommen. Und ich möchte Fehler kritisieren können, egal wer sie gemacht hat.
In den vergangenen Jahren habe ich zunehmend gemerkt, dass ich mich mit Entscheidungen auf Bundes-, Landes- und vor allem auch auf kommunaler Ebene nicht mehr identifizieren kann. Meine eigenen Überzeugungen und Werte stehen immer häufiger im Widerspruch zu politischen Entscheidungen und Entwicklungen.
Gerade auf kommunaler Ebene und vor allem im Stadtbezirk Chorweiler. Wo nicht nach Kompetenz und Fähigkeit besetzt wurde, sondern ausschließlich nach Klüngel. Wo man einer naiven Frau versprochen hat Bezirksbürgermeisterin zu werden, damit sie die Drecksarbeit im Wahlkampf für den Stadtbezirksvorsitzenden macht, um sie dann nach der Wahl fallen zu lassen, wie eine heiße Kartoffel.
Oder wenn eine fähige ehem. Landtagsabgeordnete aus dem Kölner Rat gekegelt wird, um sie durch eine Frau aus dem Kölner Norden zu ersetzen, die dafür bekannt ist absolut niemals eine eigene Meinung zu haben und absolut nichts in oder für ihren Wahlbezirk zu tun. Oder in der Bezirksvertretung wird ein Fraktionsvorsitzender benannt, der sich selber für Gott gesandt hält, aber noch nie etwas Konkretes geleistet hat, außer rassistische Angriffe auf einen Fraktionskollegen zur Profilierung auf seinem eigen Instaprofil zu missbrauchen. (und auch Gott sei Dank mittlerweile des Amtes wieder enthoben wurde).
Soziales Leben in der Partei wurde beerdigt. Kein Fraktionssommerfest, keine Weihnachtsfeier, keine Stammtische. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde unterdrückt. Die Homepage seit Monaten inaktiv, Partei und Fraktion weigern sich zu veröffentlichen, was sie überhaupt machen.
Irgendwann musste ich mir deshalb eine einfache Frage stellen:
Wenn ich heute nicht Mitglied wäre, würde ich heute noch eintreten?
Meine ehrliche Antwort lautet: Nein.
Und dann wäre es für mich nicht ehrlich gewesen, trotzdem zu bleiben.
Ich ging nicht aus Verbitterung. Ich ging auch nicht, weil mir Politik egal geworden ist.
Ich ging, weil ich mir selbst treu bleiben möchte und die Menschen im Stadtbezirk mir wichtig sind.
Mein Engagement endet damit nicht. Im Gegenteil. Ich habe eine neue Heimat gefunden. Ich werde weiterhin für die Menschen einstehen, die keine starke Lobby haben. Für Ehrenamtler und Helfende Hände, die diese Gesellschaft am Laufen halten. Und für eine Politik, die sich nicht nur an Parteigrenzen, Umfragewerten oder politischer Taktik orientiert, sondern an den Menschen, um die es eigentlich gehen sollte.
Schon jetzt konnte ich mehr Menschen und Vereinen Konkret helfen als es in der SPD in den letzten 3 Jahren möglich war, weil es von dieser streng untersagt war eigene Initiative zu zeigen, die den großen Stadtbezirksvorsitzenden als den karrieregeilen Instagramblender entlarven würden, der er ist.
Meine Kandidatur ist faktisch chancenlos. Aber mit meiner Präsenz und Bekanntheit kann ich da konkret handeln, wo andere nur Show liefern.
Ich ging mit Wehmut, aber ohne Groll. Das Parteibuch lasse ich zurück.
Meine Werte, meine Haltung und meine Stimme nehme ich mit.