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Keine Hinweise auf vermehrt Fälle von Borkenflechte bei Kindern durch Masken

Dieser Beitrag enthält grafisch explizites Bildmaterial, das auf manche Menschen verstörend wirken könnte.

Dass das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung nachteilig für die Gesundheit sein soll, wird in Sozialen Netzwerken immer wieder behauptet. Momentan kursiert auf Facebook das Gerücht, dass Kinder von den Masken Impetigo bekämen. Das ist ein hoch ansteckender Hautausschlag, der auch als „Borkenflechte“ bekannt ist. Quelle dafür sei laut dem Facebook-Beitrag eine „pädiatrische Notaufnahme des Ärztekrankenhauses“ in einer nicht genannten Stadt. Es gibt jedoch unseren Recherchen zufolge keine Hinweise darauf, dass die Fälle von Borkenflechte gestiegen sind.

Borkenflechte wird durch Bakterien übertragen und kommt vor allem bei Kindern vor, heißt es auf der Webseite des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Die Krankheit sei ansteckend und meldepflichtig, jedoch durch einfache Antibiotika behandelbar. 

Der Facebook-Beitrag mit den Behauptungen zu Borkenflechte bei Kindern. (Quelle: Facebook, Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Die Bilder haben mit der Maskenpflicht nichts zu tun. Sie zeigen lediglich Fälle von Borkenflechte und sind schon mehrere Jahre alt. Das obere Bild wurde 2013 auf einer brasilianischen Webseite verwendet und das untere taucht in der Bilderrückwärtssuche bei Google spätestens 2015 in einer Archivbilddatenbank auf.

Kinderärzte können Anstieg der Fälle von Borkenflechte nicht bestätigen

Wir haben die Gesundheitsämter in den zehn größten deutschen Städten (nach Einwohnerzahl) gefragt, ob vermehrt Fälle von Borkenflechte gemeldet wurden. Keines der Gesundheitsämter konnte bis zur Veröffentlichung dieses Artikels von einem Anstieg berichten. 

Beim Gesundheitsamt Stuttgart etwa kann sich der Pressesprecher seit Beginn der Covid-19-Pandemie an keinen einzigen gemeldeten Fall von Borkenflechte erinnern.

Screenshot der E-Mail vom Pressesprecher des Gesundheitsamts Stuttgart an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben zusätzlich bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dem Berufsverband deutscher Dermatologen und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte angefragt, ob dort vermehrt Fälle aufgetreten sind. 

Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gehen „die Diagnosen erst mit ca. sechsmonatiger Zeitdauer nach einem Abrechnungsquartal“ ein, erklärt ein Sprecher per E-Mail. Aktuelle Zahlen liegen dort also nicht vor. 

Auch Jakob Maske, Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte für Berlin, bestätigt, dass es keine vermehrten Fälle von Borkenflechte gebe.

Auszug aus der E-Mail von Jakob Maske an CORRECTIV. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Gesichtsmasken können Infektionen mit Borkenflechte vorbeugen oder begünstigen

Der Berufsverband deutscher Dermatologen konnte keine allgemeingültigen Aussagen für ganz Deutschland treffen und leitete unsere Anfrage an einen Hautarzt in Stuttgart, Heiko Grimme, weiter. Auch er kann die Behauptung, es würden vermehrt Fälle von Borkenflechte auftreten, nicht bestätigen. 

Grimme ordnet die Mund-Nasen-Bedeckungen als angebliche Ursache für Borkenflechte sowohl vorteilhaft, als auch nachteilig ein: Theoretisch, so Grimme, könnten die Masken eine Infektion mit Borkenflechte „bei hautsensiblen Kindern“ begünstigen, da die Masken Reibung erzeugen und die Ansammlung von Feuchtigkeit im Bereich von Mund und Nase begünstigen. Andererseits, so Grimme weiter, könne die Maske auch vorbeugend wirken, da sie verhindere, dass sich ein Kind oft an Mund und Nase berühre. Borkenflechte trete zudem häufig nach Infekten mit Schnupfen auf – und Gesichtsmasken beugen solchen Infekten vor.

Auszug aus der E-Mail von Heiko Grimme an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

In einigen der Beiträge auf Facebook wird außerdem behauptet, dass durch die Einatmung von CO2 durch das Tragen einer Maske bereits vier Kinder gestorben seien. Für diese Behauptung gibt es keine Belege, wie wir in mehreren Faktenchecks erläutert haben.

Immer wieder kursiert die Behauptung, beim Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung würde mehr CO2 eingeatmet, was zum Tod führen könne, da eine Sauerstoffunterversorgung entstünde. Dazu hat CORRECTIV einen Faktencheck veröffentlicht. Das Ergebnis: Das Tragen von Gesichtsmasken führt nicht zu mehr CO2-Inhalation.

Wir atmen mit einem Zug etwa 500 Milliliter Luft aus. Der Raum unter der Maske ist aber nur wenige Milliliter groß. „Hier können sich gar keine großen Mengen CO2 ansammeln. Die CO2-haltige Luft muss folglich die Maske durchtreten und verteilt sich dann im Raum beziehungsweise der Umgebung“, erklärte uns Wolfgang Straff. Er ist Arzt und leitet das Fachgebiet Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung im Umweltbundesamt.

Dasselbe gilt anders herum: „Wenn wir einatmen, müssen wir dieselbe Menge aufnehmen. Viel mehr Luft als die fünf Milliliter unter der Maske. Die werden durch den Stoff der Maske und an den Seiten eingesaugt.“ Anders sei es auch gar nicht denkbar, erläuterte Straff: „Könnte man unter der Maske nicht richtig atmen, würden wir sofort beim ersten Atemzug Erstickungsängste bekommen.“

Fazit: Weder Gesundheitsämter, noch Hautärzte, noch Kinderärzte konnten bestätigen dass es zu vermehrten Fällen von Borkenflechte gekommen ist. Der Kassenärztliche Bundesverband erhebt zwar bundesweit Daten dazu, diese liegen jedoch mit mindestens sechs Monaten Verzögerung vor und lassen daher noch keinen Rückschluss auf die Wirkung von Gesichtsmasken bezüglich Borkenflechte zu. Dass es in einzelnen Praxen oder Krankenhäusern zu vermehrten Fällen gekommen ist, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Redigatur: Bianca Hoffmann, Uschi Jonas

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