Der Wunsch aus dem Veedel muss mehr zählen als die Bequemlichkeit der Verwaltung
Im Neubaugebiet an der südlichen Baptiststraße entstehen nicht nur neue Häuser. Dort wächst ein neues Stück Roggendorf/Thenhoven. Gerade deshalb ist es wichtig, dass dieses Quartier eine erkennbare Verbindung zur Geschichte und zum gesellschaftlichen Leben des gewachsenen Stadtteils erhält.
Die bisher beschlossenen Straßennamen orientieren sich vor allem an heimischen Pflanzen und der örtlichen Landschaft. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Doch Straßennamen sind mehr als eine Hilfe für Post und Navigation. Sie erzählen, woran sich ein Stadtteil erinnert, welche Menschen ihn geprägt haben und welche Werte er an die nächste Generation weitergeben möchte.
Genau deshalb unterstütze ich mit Nachdruck den Vorschlag aus der Bürgerschaft, eine Straße im neuen Quartier nach Willy Förster zu benennen.
Willy Förster, der 1998 verstarb, hat als Organist sowie als Chor- und Orchesterleiter über 45 Jahre lang das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Roggendorf/Thenhoven geprägt. Menschen, die sich über Jahrzehnte für ihr Veedel engagieren, Gemeinschaft schaffen und Generationen miteinander verbinden, verdienen mehr als eine Notiz in der Ortsgeschichte. Sie verdienen eine sichtbare und dauerhafte Würdigung.
Dass Ingrid Scheller umfangreiche biografische Informationen zusammengetragen und den Vorschlag gemeinsam mit weiteren Engagierten als Bürgereingabe auf den Weg gebracht hat, zeigt: Hier geht es nicht um eine spontane Einzelidee. Der Wunsch kommt aus dem Stadtteil und ist sachlich begründet.
Die Antwort der Verwaltung überzeugt mich nicht. Der Hinweis, die Straßennamen seien bereits beschlossen und eine nachträgliche Änderung komme nur ausnahmsweise infrage, darf nicht zum Totschlagargument werden. Auch die sogenannte „Clusterbildung“ mit thematisch ähnlichen Straßennamen ist kein Selbstzweck. Ein Neubaugebiet braucht nicht nur ein einheitliches Benennungsschema, sondern Identität, Erinnerung und eine Verbindung zum bestehenden Ort.
Verwaltungsverfahren sind wichtig. Sie dürfen aber nicht wichtiger werden als der nachvollziehbare Wille der Menschen vor Ort. Politik ist nicht dazu da, Verwaltungsentscheidungen lediglich zur Kenntnis zu nehmen. Politik muss gestalten, abwägen und Entscheidungen auch korrigieren können, wenn es dafür gute Gründe gibt.
Eine Willy-Förster-Straße würde das bisherige Konzept nicht zerstören. Sie würde es um etwas Entscheidendes ergänzen: die Geschichte der Menschen, die Roggendorf/Thenhoven zu dem gemacht haben, was es heute ist. Gerade wenn verhindert werden soll, dass Neubaugebiet und alter Ortskern nebeneinanderher leben, ist eine solche symbolische Brücke sinnvoll.
Ich fordere deshalb die demokratischen Fraktionen und Einzelvertreter in der Bezirksvertretung Chorweiler auf, den Vorschlag gemeinsam aufzugreifen. Ziel sollte ein möglichst breiter, fraktionsübergreifender Antrag sein. Die Verwaltung muss anschließend einen rechtssicheren und praktikablen Weg zur Umsetzung aufzeigen – nicht weitere Gründe suchen, warum es angeblich nicht gehen soll.
Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger sowie der Menschen, die in diesem Stadtteil leben, muss den Ausschlag geben. Wer über Jahrzehnte das kulturelle Leben eines Veedels geprägt hat, darf nicht auf einer internen Vorschlagsliste verschwinden und auf eine unbestimmte spätere Gelegenheit vertröstet werden.
Willy Förster verdient diese Ehrung. Und Roggendorf/Thenhoven verdient Straßennamen, die nicht nur Pflanzen benennen, sondern auch die eigene Geschichte lebendig halten.
