Die erneute Kostenexplosion bei der Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße ist mehr als nur eine ärgerliche Nachricht aus dem Rathaus. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie schlecht Köln große Infrastrukturprojekte plant, steuert und gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern transparent macht.
Aus ursprünglich 84 Millionen Euro sollen nun mindestens 160 Millionen Euro werden. Für einen Streckenabschnitt von 2,1 Kilometern mit vier Haltestellen. Zwischen politischem Beschluss und geplanter Inbetriebnahme werden am Ende rund 14 Jahre liegen. Wer solche Zahlen liest, kann sich nur noch fragen: Wie soll in Köln Vertrauen in öffentliche Planung entstehen, wenn Kosten und Zeitpläne regelmäßig aus dem Ruder laufen?
Dirk Bachhausen, Landtagskandidat von Volt, sieht darin eine erneute Bestätigung eines grundsätzlichen Problems: Köln kann keine Großprojekte. Nicht, weil die Stadt keine Ideen hätte. Nicht, weil Investitionen in Infrastruktur falsch wären. Sondern weil Planung, Kontrolle, Kostenwahrheit und Umsetzung immer wieder nicht zusammenpassen.
Natürlich ist bekannt, dass Kampfmittelsondierungen in Köln aufwendig sein können. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen, Blindgänger im Boden sind keine Überraschung. Gerade deshalb müssen solche Risiken von Anfang an realistisch eingeplant werden. Wer sie erst später als zentrale Begründung für massive Kostensteigerungen präsentiert, muss sich fragen lassen, ob die ursprüngliche Kalkulation überhaupt belastbar war.
Das eigentliche Problem ist nicht nur die höhere Summe. Das Problem ist der politische und finanzielle Schaden, der daraus entsteht. Jede Kostenexplosion geht am Ende zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger. Sie zahlen über den städtischen Haushalt, über gekürzte Spielräume an anderer Stelle und über den Verlust an Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Stadt.
Besonders bitter ist: Der zusätzliche Nutzen für Köln steht in keinem überzeugenden Verhältnis zu den explodierenden Kosten. Vier neue Haltestellen auf 2,1 Kilometern sind kein Projekt, das solche Planungsrisiken und eine nahezu Verdopplung der Kosten einfach wegmoderieren kann. Köln braucht einen starken öffentlichen Nahverkehr, aber genau deshalb müssen Projekte wirtschaftlich, transparent und verlässlich umgesetzt werden. Wer Mobilität voranbringen will, darf Steuergeld nicht in schlecht gesteuerten Dauerbaustellen versenken.
Dirk Bachhausen fordert deshalb eine neue Kultur bei öffentlichen Großprojekten: realistische Kostenannahmen vor politischen Beschlüssen, transparente Risikoberichte während der Umsetzung und klare Verantwortlichkeiten, wenn Kosten und Zeitpläne entgleisen. Die Stadt darf nicht erst dann mit der Wahrheit herausrücken, wenn faktisch nichts mehr zu ändern ist.
Köln steht vor großen Aufgaben: Verkehrswende, Klimaanpassung, Wohnungsbau, Digitalisierung, Schulen, Brücken und öffentliche Infrastruktur. All das wird nur gelingen, wenn die Stadt endlich beweist, dass sie große Projekte professionell steuern kann. Die Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße zeigt leider erneut das Gegenteil.
Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch auf eine Verwaltung und Politik, die ehrlich rechnet, frühzeitig informiert und Verantwortung übernimmt. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss Schluss machen mit Schönrechnerei, Verzögerungen und nachträglichen Kostenexplosionen.
Köln braucht Fortschritt. Aber Fortschritt beginnt nicht mit immer neuen Millionenforderungen, sondern mit Planung, die hält, was sie verspricht.
