Wer seine Wohnung verliert, verliert weit mehr als eine Adresse. Es fehlen Sicherheit, Privatsphäre und ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann. Deshalb ist die geplante Unterkunft an der Cohnenhofstraße in Langel ein wichtiges Vorhaben. 15 abgeschlossene Wohneinheiten für obdachlose Menschen entstehen dort – mit eigenem Bad, WC und einer Kochmöglichkeit.
Was für viele von uns selbstverständlich ist, wird in der politischen Debatte offenbar bereits zum Streitfall. Dabei geht es um kleine Apartments zwischen 21 und 34 Quadratmetern. Um einen geschützten persönlichen Raum. Um eine Tür, die man hinter sich schließen kann.
CDU und Grüne nehmen die Menschen und den Standort ernst
Positiv fällt auf, dass sich CDU und Grüne mit den konkreten Lebensbedingungen der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner auseinandersetzen.
Cecilia Nesseler von der CDU unterstützt grundsätzlich eine dezentrale Unterbringung, hinterfragt aber die Eignung des Standorts. Fehlende Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung und Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe sind berechtigte Anliegen. Wer Menschen eine Perspektive eröffnen will, muss auch fragen, wie sie ihren Alltag bewältigen können.
Die Enthaltung der CDU kann man unterschiedlich bewerten. Ihre inhaltlichen Einwände verdienen jedoch eine ernsthafte Antwort. Aus meiner Sicht folgt daraus der Auftrag, die Erreichbarkeit von Versorgung, Beratung und Unterstützung verbindlich mitzudenken.
Marc Kersten von den Grünen setzt einen ebenso wichtigen Schwerpunkt: Ein besserer Standort steht offenbar nicht einfach zur Verfügung. Die tatsächliche Alternative muss deshalb mitbetrachtet werden. Menschen brauchen jetzt Schutz und eine Unterkunft.
Beide Beiträge zeigen, wie eine sachliche Debatte aussehen kann: die Bedingungen kritisch prüfen und zugleich die Verantwortung gegenüber obdachlosen Menschen anerkennen.
Die AfD erklärt ein Mindestmaß an Privatsphäre zum Luxus
Die Aussagen der AfD-Vertreterin Wiebke Herrmann halte ich dagegen für menschenverachtend. Kleine Apartments mit eigenem Bad und Kochmöglichkeit als „luxuriös“ zu bezeichnen, vermittelt die Vorstellung, Menschen ohne Wohnung müssten sich mit weniger Würde und Privatsphäre zufriedengeben.
Selbstverständlich dürfen Baukosten hinterfragt werden. Rund 3,64 Millionen Euro sind eine erhebliche Summe, deren Verwendung nachvollziehbar sein muss. Doch eine seriöse Kostenkontrolle beginnt bei Planung, Vergabe und Wirtschaftlichkeit. Wer stattdessen zuerst Sanitäranlagen infrage stellt, setzt aus meiner Sicht die falschen Prioritäten.
Auch der Verweis auf Studierende und Familien führt in die Irre. Ihre Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt sind real. Ihnen ist aber nicht geholfen, wenn obdachlose Menschen schlechter untergebracht werden. Köln braucht mehr bezahlbaren Wohnraum für unterschiedliche Lebenssituationen. Bedürftige gegeneinander auszuspielen schafft keine einzige zusätzliche Wohnung.
Und wo bleibt die SPD?
Eine Stimme der SPD fehlt. Gerade bei einem Thema, das den Kern sozialdemokratischer Politik berühren müsste, finde ich diese fehlende Sichtbarkeit bemerkenswert.
Wo steht die SPD bei diesem Projekt? Welchen Beitrag leistet sie zu einer menschenwürdigen Unterbringung und zu einer funktionierenden Versorgung vor Ort? Wer soziale Verantwortung für sich beansprucht, sollte sie gerade hier sichtbar machen. Doch stattdessen: Wie immer Desinteresse der Fraktion.
Für mich ist klar: Das Projekt in Langel verdient Unterstützung und eine kritische Begleitung seiner Umsetzung. Die Hinweise der CDU zur Infrastruktur gehören auf den Tisch. Die Grünen haben recht, auf den unmittelbaren Schutzbedarf hinzuweisen. Und der Vorstellung, ein eigenes Bad sei für obdachlose Menschen schon zu viel verlangt, müssen wir entschieden widersprechen.
Menschenwürde hängt weder vom Einkommen noch vom Mietvertrag ab.
