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Kostenexplosionen bei städtischem Museumsprojekt

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Das MiQua zeigt erneut, woran Köln krankt: Großprojekte werden beschlossen, schön geredet, verschoben, verteuert – und am Ende zahlen die Bürgerinnen und Bürger.

Das Museum, das der Stadt Köln ursprünglich als große kulturelle Chance präsentiert wurde, entwickelt sich immer mehr zu einem Sinnbild kommunaler Maßlosigkeit. Aus anfangs rund 50 Millionen Euro sind inzwischen 190 Millionen Euro geworden. Nun steht im Raum, dass die Kosten auf bis zu 230 Millionen Euro steigen könnten. Ein Ende ist nicht absehbar.

Dabei ist die Stadt Köln offiziell noch vorsichtig. Sie bestätigt Mehrkosten, nennt aber keine konkrete Summe. Das ist ein bekanntes Muster: Erst heißt es, das Budget müsse reichen. Dann wird geprüft. Dann wird nachgebessert. Und irgendwann steht die nächste Kostensteigerung im Raum.

Für Köln ist das leider kein Einzelfall, sondern fast schon Verwaltungskultur.

Besonders bitter ist der Kontrast zu den Stadtteilen, in denen seit Jahren um vergleichsweise kleine Beträge gerungen wird. In Lindweiler waren nicht einmal drei Millionen Euro aufzutreiben, um ein dringend benötigtes Mehrgenerationenhaus zu bauen. Dort fehlt Geld für konkrete soziale Infrastruktur, für Begegnung, Beratung, Nachbarschaft und Teilhabe.

Beim MiQua hingegen wird in ganz anderen Größenordnungen gerechnet. 40 Millionen Euro zusätzliche Kosten stehen nun im Raum – also mehr als das Dreizehnfache dessen, was in Lindweiler fehlte.

Das ist schwer vermittelbar.

Natürlich ist jüdisches Leben in Köln wichtig. Natürlich ist Erinnerungskultur wichtig. Natürlich sind archäologische Funde wertvoll. Niemand stellt die kulturelle Bedeutung dieses Projekts grundsätzlich infrage. Aber Bedeutung ersetzt keine Kontrolle. Erinnerungskultur rechtfertigt nicht automatisch jede Kostensteigerung. Und auch ein wichtiges Projekt muss sich der Frage stellen, ob Planung, Steuerung und politische Aufsicht noch funktionieren.

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Seit 2015 wird gebaut. Ursprünglich sollte das Museum längst fertig sein. Jetzt ist von einer Fertigstellung im Jahr 2028 die Rede, danach soll noch ein Probebetrieb folgen. Wenn es dabei bleibt, wäre das Museum nach rund 14 Jahren Bauzeit eröffnet. Wenn es dabei bleibt.

Köln leidet seit Jahren an Projekteritis. Immer neue Großprojekte, immer neue Visionen, immer neue Pläne. Oper, Museum, Archäologische Zone, Verkehrsbauten, Schulbau, Verwaltungsprojekte – überall steigen die Kosten, überall dauert es länger, überall wird nachträglich erklärt, warum alles leider doch viel komplizierter war als gedacht.

Und gleichzeitig wird der städtische Haushalt enger.

Die Stadt spart an anderer Stelle. Der Beamtenbonus wurde gestrichen, die Grundsteuer B erhöht, soziale Träger blicken mit Sorge auf kommende Haushaltsjahre. Bürgerinnen und Bürger sollen mehr zahlen, Beschäftigte sollen verzichten, soziale Projekte müssen kämpfen. Und das unter einem SPD Oberbürgermeister! Aber bei Großprojekten scheint immer wieder neues Geld aufzutauchen – notfalls über Nachträge, Sonderbeschlüsse und spätere Haushalte.

Das ist keine solide Politik. Das ist Verschiebung von Verantwortung in die Zukunft.

Ein wenig Zynismus sei erlaubt: Wenn Olympia nach Köln kommt, wird angeblich alles besser. Dann wird Köln plötzlich reich, modern, international und leistungsfähig. Genau diese Erzählung passt zur Kölner Großprojektlogik. Man malt ein glänzendes Zukunftsbild und spricht ungern darüber, wer am Ende die Rechnung bezahlt.

Dabei zeigt das MiQua gerade, wie riskant solche Versprechen sind. Je größer das Projekt, desto größer die Versuchung, Kosten kleinzurechnen und Probleme zu vertagen. Am Anfang klingt alles beherrschbar. Am Ende steht eine Zahl im Raum, die niemand mehr ernsthaft erklären kann, ohne auf „unerwartete Entwicklungen“ zu verweisen.

Köln braucht keine weiteren Hochglanzversprechen. Köln braucht Ehrlichkeit.

Ehrlichkeit darüber, was Projekte wirklich kosten.

Ehrlichkeit darüber, welche Risiken bestehen.

Ehrlichkeit darüber, welche anderen Aufgaben dadurch verdrängt werden.

Denn jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Wenn in der Innenstadt dreistellige Millionenbeträge in ein Prestigeprojekt fließen, während in Stadtteilen soziale Infrastruktur fehlt, dann ist das keine technische Haushaltsfrage mehr. Dann ist es eine politische Prioritätensetzung.

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Und genau darüber muss gesprochen werden.

Köln darf sich Kultur leisten. Köln darf investieren. Köln darf auch ambitionierte Projekte haben. Aber Köln darf nicht so tun, als hätten Kostenexplosionen keine Konsequenzen.

Am Ende zahlen nicht „die Stadt“, nicht „die Verwaltung“ und nicht „der Haushalt“. Am Ende zahlen die Menschen in Köln. Durch höhere Abgaben, durch gestrichene Leistungen, durch verschobene Projekte und durch soziale Angebote, die hinten runterfallen.

Das MiQua kann am Ende ein beeindruckendes Museum werden. Aber es ist schon jetzt auch ein Mahnmal dafür, wie Köln mit öffentlichem Geld nicht umgehen sollte.

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