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Quo vadis, SPD Chorweiler? Eine Partei im Kölner Norden wirkt wie im freien Fall

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Wenn Ortsvereine mehrere Anläufe brauchen, um Vorstände zu finden, ein Stadtbezirk niemanden mehr für die Führung gewinnt und die Bezirksvertretungsfraktion ebenfalls kein Bild der Geschlossenheit vermittelt, stellt sich eine einfache Frage: Gibt es die SPD Chorweiler als handlungsfähige politische Kraft überhaupt noch?

Es gibt politische Krisen, die kommen mit großem Knall. Und es gibt jene, die leise beginnen: mit nicht erreichten Mitgliedern, mit schlecht kommunizierten Terminen, mit fehlenden Kandidaturen, mit Sitzungen, auf denen am Ende niemand mehr Verantwortung übernehmen will.

Die SPD im Kölner Norden steht offenbar an genau einem solchen Punkt. Nicht als vorübergehende Unpässlichkeit, nicht als kleine organisatorische Delle, sondern als Symptom eines tiefer liegenden Verfalls.

Der Ortsverein Volkhoven/Weiler brauchte nach den vorliegenden Informationen zwei Anläufe, um überhaupt einen neuen Vorstand zu finden und zu wählen. Schon das ist ein Alarmsignal. Eine Partei, die in einem Stadtteil politisch gestalten will, muss in der Lage sein, aus den eigenen Reihen Menschen zu gewinnen, die Verantwortung übernehmen. Wenn das erst im zweiten Versuch gelingt, dann ist das mehr als eine Terminpanne. Es zeigt, wie dünn die Personaldecke geworden ist und wie wenig selbstverständlich ehrenamtliche Verantwortung in dieser SPD offenbar noch ist.

Noch deutlicher wird die Lage im Stadtbezirk Chorweiler. Dort soll es trotz ordnungsgemäß angesetzter Vorstandswahl niemanden gegeben haben, der bereit war, das Amt zu übernehmen. Kein neuer Vorstand. Keine erkennbare Führungsbereitschaft. Keine Person, die sagt: Ich mache das jetzt.

Das ist politisch verheerend.

Denn eine Partei existiert nicht nur durch Logos, Satzungen, Wahlplakate und gelegentliche Pressemitteilungen. Eine Partei existiert durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, Mitglieder einbinden, Konflikte klären, Wahlen vorbereiten, Stadtteile organisieren und politische Räume offenhalten. Wenn sich niemand mehr findet, der genau das tun will, dann ist die eigentliche Frage nicht formaljuristisch, ob die Gliederung weiter existiert. Die Frage ist politisch viel brutaler: Existiert sie noch als lebendige Organisation?

Für Chorweiler lautet diese Frage inzwischen: Quo vadis, SPD Chorweiler? Gibt es euch noch?

Besonders bitter ist, dass es offenbar nicht nur an Personal fehlt. Es fehlt auch an Vertrauen. Mitglieder berichten, dass sie weder ausreichend über die Möglichkeit einer Kandidatur informiert wurden noch verlässlich über den Termin. Sollte das zutreffen, wäre das kein bloßes Kommunikationsproblem, sondern ein demokratisches Problem. Wer innerparteiliche Demokratie ernst nimmt, muss Mitglieder rechtzeitig informieren, Kandidaturen ermöglichen und Transparenz herstellen. Alles andere erzeugt den Eindruck, dass Posten nicht offen vergeben, sondern verwaltet werden sollen, bis niemand mehr übrig ist, der sie überhaupt noch haben will.

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Hinzu kommt die personelle und politische Hypothek der vergangenen Jahre. Wer jetzt Verantwortung im Stadtbezirk Chorweiler übernehmen soll, müsste nicht nur ein Amt ausfüllen. Er oder sie müsste auch die politische Erde beackern, die nach der Amtsführung von Mattis Dieterich zurückgeblieben ist. Diese Erde wirkt, freundlich formuliert, schwer bestellbar.

Natürlich ist „verbrannte Erde“ ein hartes Bild. Aber manchmal beschreibt es präzise, was Mitglieder empfinden, wenn Vertrauen zerstört, Strukturen entleert und politische Beziehungen beschädigt wirken. Ob Dieterich selbst diese Entwicklung allein zu verantworten hat, ist eine Frage, die die SPD intern klären muss. Dass seine Rolle und sein Führungsstil aber offenkundig Teil der Debatte sind, lässt sich kaum ignorieren.

Eine Partei, die ihre Mitglieder nicht erreicht, Kandidaturen nicht mobilisiert und keinen funktionsfähigen Stadtbezirksvorstand zustande bringt, hat kein kleines Verwaltungsproblem. Sie hat ein Führungsproblem. Und sie hat ein Kulturproblem.

Auch die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Chorweiler vermittelt nach außen kein Bild einer stabilen, geschlossenen und kraftvollen politischen Formation. Im Gegenteil: Auch dort entsteht der Eindruck von Unruhe, Chaos und schleichendem Zerfall. Für Bürgerinnen und Bürger im Kölner Norden ist das fatal. Chorweiler, Seeberg, Heimersdorf, Volkhoven/Weiler, Blumenberg, Worringen, Roggendorf/Thenhoven, Fühlingen, Merkenich, Esch, Pesch und Lindweiler brauchen politische Vertretung, die präsent ist, zuhört und handlungsfähig bleibt. Sie brauchen keine Partei, die vor allem mit sich selbst beschäftigt ist.

Gerade die SPD müsste im Kölner Norden eine besondere Rolle spielen. Hier geht es um bezahlbares Wohnen, Mobilität, soziale Infrastruktur, Schulen, Sportanlagen, Integration, Sicherheit, Stadtteilzentren und die Frage, ob Menschen sich von Politik überhaupt noch gesehen fühlen. Das wären klassische Themen einer sozialdemokratischen Partei. Aber wer solche Themen glaubwürdig vertreten will, muss organisatorisch wenigstens so stabil sein, dass er einen Vorstand wählen kann.

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Der Unterbezirksvorstand der SPD Köln darf sich deshalb nicht länger wegducken. Wenn im Stadtbezirk Chorweiler kein handlungsfähiger Vorstand zustande kommt, reicht kein Schulterzucken und kein Verweis auf interne Abläufe. Dann muss der Unterbezirk handeln. Unverzüglich. Transparent. Mitgliederorientiert.

Das SPD-Organisationsstatut ist in diesem Punkt eindeutig: Wenn einem Vorstand nicht mindestens drei gewählte Mitglieder angehören, muss die nächsthöhere Gliederung Neuwahlen ankündigen und bis dahin die Rechte des handlungsunfähigen Vorstands wahrnehmen oder eine kommissarische Regelung treffen.

Genau das muss jetzt passieren.

Der Unterbezirk Köln muss zu Neuwahlen einladen. Er muss alle Mitglieder im Stadtbezirk Chorweiler ordentlich informieren. Er muss klar mitteilen, wer kandidieren kann, bis wann Kandidaturen möglich sind und wann die Wahl stattfindet. Und er muss bis dahin die Geschäfte des Stadtbezirksvorstands übernehmen oder eine glaubwürdige kommissarische Lösung einsetzen.

Alles andere wäre die Fortsetzung des Verfalls mit anderen Mitteln.

Die SPD Chorweiler steht an einem Punkt, an dem Ausreden nicht mehr helfen. Wer Mitglieder verliert, Vertrauen verspielt und keine Verantwortungsträger mehr findet, muss sich ehrlich machen. Es geht nicht mehr um interne Empfindlichkeiten. Es geht um die politische Existenzfähigkeit einer Partei im Kölner Norden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wer formal noch welchen Titel trägt. Die entscheidende Frage lautet: Wer übernimmt Verantwortung, bevor endgültig niemand mehr da ist?

Quo vadis, SPD Chorweiler?

Oder noch einfacher gefragt:

Gibt es euch noch?

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