Markus Anfang unterstützt seinen früheren Heimatverein – CDU-Ratsherr Thomas Welter fordert mehr Einsatz der Stadt. Während die SPD im Kölner Norden vor allem Olympia bejubelt, bleibt beim KSV Heimersdorf konkrete Hilfe kaum sichtbar.
Der KSV Heimersdorf wartet seit Jahren auf das, was für viele andere Vereine im Kölner Norden längst selbstverständlich ist: einen modernen Kunstrasenplatz. Während andernorts längst auf zeitgemäßen Anlagen trainiert und gespielt wird, kämpft der Verein am Altenhofer Weg weiterhin mit einem maroden Ascheplatz, der bei Regen zur Schlammlandschaft wird und bei Trockenheit Staubwolken über die Anlage treibt.
Unterstützung bekommt der Verein nun von prominenter Seite. Markus Anfang, ehemaliger Trainer des 1. FC Köln und selbst einst Spieler beim KSV Heimersdorf, besuchte seine alte sportliche Heimat und zeigte sich enttäuscht über den Zustand der Anlage. Seine Fußballlaufbahn begann Ende der 1970er-Jahre beim KSV. Umso bitterer ist für ihn der Eindruck, dass sich an der Infrastruktur bis heute viel zu wenig getan hat.
Für den Verein ist das längst nicht nur ein ästhetisches Problem. Ein unmoderner und witterungsanfälliger Platz erschwert Training, Spielbetrieb und Vereinsentwicklung. Gerade Kinder, Jugendliche und der stark aufgestellte Damenfußball des KSV brauchen verlässliche Bedingungen. Wenn Trainingseinheiten ausfallen, Eltern andere Vereine bevorzugen und junge Talente abwandern, dann geht nicht nur sportliche Qualität verloren, sondern auch ein Stück sozialer Zusammenhalt im Veedel.
Genau hier setzt das Engagement der CDU an. Thomas Welter, CDU-Mitglied im Kölner Stadtrat, macht sich deutlich für den KSV Heimersdorf stark. Er weist zu Recht darauf hin, dass es nicht allein um einen einzelnen Verein geht. In direkter Umgebung befinden sich Schulen und Kitas, die von einer modernen Sportanlage ebenfalls profitieren könnten. Ein Kunstrasenplatz am Altenhofer Weg wäre also nicht nur eine Investition in Fußball, sondern in Bewegung, Jugendförderung, Integration und das soziale Leben im Kölner Norden.
Besonders unverständlich ist, dass der Platz bei der Beantragung von Mitteln aus der sogenannten „Sportmilliarde“ des Bundes Anfang des Jahres nicht berücksichtigt wurde. Dass die Anlage auf der städtischen Prioritätenliste lediglich auf Platz elf steht, reicht angesichts der Lage nicht aus. Die CDU fordert deshalb, dass Stadt, Land und Bund gemeinsam prüfen, wie eine Sanierung schneller möglich gemacht werden kann.
Auffällig ist dabei auch die Rolle der SPD im Kölner Norden. Während von der CDU vor Ort konkrete Unterstützung für den KSV Heimersdorf sichtbar wird, ist von der SPD im Stadtbezirk derzeit keine vergleichbare öffentliche Initiative zu erkennen, die mit ähnlichem Nachdruck für diesen Verein und diese Sportanlage kämpft. Eine dauerhaft wahrnehmbare politische Kampagne für den KSV Heimersdorf, für den Kunstrasenplatz und für die betroffenen Kinder, Jugendlichen, Schulen und Kitas ist bislang nicht erkennbar.
Das steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zur Olympia-Begeisterung der SPD. Die KölnSPD warb ausdrücklich für ein Ja zur Olympiabewerbung und bezeichnete Olympia als Chance, Investitionen in Sportstätten, Infrastruktur, Verkehr, Wohnen und Barrierefreiheit voranzubringen. In einem weiteren Beitrag stellte die SPD den Kölner Norden sogar besonders in den Mittelpunkt und sprach davon, dass Olympia für den Norden eine „einmalige Chance“ sei, weil unter anderem Infrastrukturprojekte beschleunigt werden könnten.
Genau daran muss sich die SPD messen lassen. Wer Olympia im Stadtbezirk Chorweiler als großen Zukunftshebel verkauft, darf nicht schweigen, wenn ein Traditionsverein wie der KSV Heimersdorf auf einem kaum nutzbaren Ascheplatz zurückbleibt. Wer große Versprechen für den Kölner Norden macht, muss bei den kleinen, konkreten, sichtbaren Problemen anfangen. Sonst bleibt von der angeblichen Sportstadt Köln nur eine Hochglanz-Erzählung übrig.
Auch innerparteilich wirkt die offizielle SPD-Linie zur Olympiabewerbung bemerkenswert geschlossen. Kritische Stimmen aus der sozialdemokratischen Basis gibt es zwar durchaus: Eine Initiative von SPD-Mitgliedern hat sich ausdrücklich gegen eine Bewerbung in der derzeit diskutierten Form positioniert und mehr Transparenz, belastbare Grundlagen und eine breite öffentliche Debatte eingefordert. Doch in der offiziellen Kommunikation der Kölner SPD dominiert weiterhin der Werbeton für Olympia. Die SPD-Ratsfraktion zeigte sich nach dem Bürgerentscheid „hocherfreut“ über das Ergebnis und sah eine wichtige Hürde für die Bewerbung genommen.
Der Fall Heimersdorf zeigt damit ein grundsätzliches Problem der Kölner Sportpolitik. Köln präsentiert sich gerne als Sportstadt, beteiligt sich an der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 und will international glänzen. Die Kölnerinnen und Kölner haben im Ratsbürgerentscheid mit 57,39 Prozent für die Teilnahme an der Bewerbung gestimmt. Oberbürgermeister Torsten Burmester warb bereits vor dem Entscheid für eine breite demokratische Legitimation und zeigte sich zuversichtlich, dass die Sportbegeisterung in Köln und der Region für ein positives Votum sorgen werde.
Doch genau deshalb muss sich der Oberbürgermeister eine unbequeme Frage gefallen lassen: Wie seriös ist eine Olympiabewerbung, wenn gleichzeitig die Sportvereine an der Basis im Stich gelassen werden?
Olympia darf nicht zur reinen Show werden. Wer große Bilder, internationale Aufmerksamkeit und glänzende Konzepte verspricht, muss zuerst dort liefern, wo Sport jeden Tag gelebt wird: auf den Plätzen der Vereine, bei Kindern und Jugendlichen, bei Ehrenamtlichen, Trainerinnen und Trainern, Eltern und Aktiven. Wenn die Stadt Millionenvisionen für ein internationales Großereignis entwirft, aber ein Verein wie der KSV Heimersdorf weiter auf einem kaum nutzbaren Ascheplatz stehen bleibt, dann bestätigt das genau jene Kritik, die Gegner großer Sportevents immer wieder vorbringen: dass am Ende Inszenierung, Prestige und politische Selbstdarstellung profitieren, während der Breitensport vor Ort die Rechnung zahlt.
Markus Anfang hat es bei seinem Besuch deutlich gemacht: Ein lebendiges Vereinsleben braucht eine vernünftige Grundlage. Diese Grundlage fehlt dem KSV Heimersdorf derzeit. Die CDU im Kölner Norden setzt sich deshalb dafür ein, dass der Verein nicht weiter vertröstet wird. Die Stadt muss jetzt handeln, statt den Sanierungsbedarf auf die lange Bank zu schieben.
Der KSV Heimersdorf braucht keinen olympischen Glanz auf dem Papier. Er braucht einen Kunstrasenplatz. Und zwar nicht irgendwann, sondern so schnell wie möglich.
